Shit Happens
Nicht ärgern. Wundern!
Om & Mahlzeit
Kind knutscht mit Sohn einer Ethnofeministin. Krank. Vater: auch krank. Bettlägerig. Dabei: Wadenkrampf zugezogen.
Bei der Arbeit Hausschuh an den Kopf gewoppert bekommen. Von Passanten richtig fett in den Garten gekackt gekriegt und gestern beim Joggen im Wald von Rottweiler-Bastard mit Ambivalenzkonflikt angefallen worden. Nervenstärke bewiesen. Analyse: Territoriale Statusaggressionen. Lösung: Pfefferspray beschaffen.
Durchs neue Nichtrauchergesetz soll es jetzt in Diskos nicht mehr nach Qualm riechen. Stattdessen: Schweiß. Und F*rze.
Vergangenes wurde diese Tage ans Licht gespült. Der Herr Verfasser entdeckte bei der Morgenlektüre eine Buchbesprechung.
Ernst Jünger - Ein Jahrhundertleben, von Heimo Schwilk. Die neue Biographie eines
umstrittenen Mannes. Da fiel mir auf, das ich dem Käfersammler einiges zu verdanken hatte. Die letzten Jahre der Schulzeit meinte ich in extremistischen Zirkeln verbringen zu müssen. Als ich davon abließ sprach ich dem orientalischen Kraut zu und lebte reflexiv-zurückgezogen. Dazu: Literarische Studien. Vor allem von Autoren, deren Werke mein bisheriges Lebenskonzept radikal in Frage stellten. Einer davon war eben der Ernst.

Hessen hat eine der strengsten Anwendungen des neuen Rauchverbotes beschlossen. Alle leisten (so will ich hoffen) gehorsam Folge. Sie sehen ein, das sie ihre Bedürfnisse nach einem gesunden Leben verkennen und eine staatliche Autorität brauchen, die sie vor sich selbst beschützt. Wer selbst zu willensschwach ist, um der hässlichsten, langweiligsten und sinnlosesten Sucht zu entsagen, wird diese Einsicht nicht leisten können. Egal (dann sollen sie sich aus Strafangst wohl verhalten). Wie auch immer: Als Bürger freue ich mich, sagen zu können: "Schatz, heute habe ich was für meine Gesundheit getan. Ich war in der Kneipe."
Aus dem tiesten Bayern, der fränkischen Schweiz, is der Missiö gut zurückgekehrt. Das Sommercamp ist vorbei. Dabei konnte ich mich im Freiklettern versuchen. Premiere! Der Revuekörper hing am Seil. Eng an den Fels gepresst gings mit engen Schläppchen aufwärts. Dreipunkttechnik und so. Auf einem "Podest" Zwischenstop. Realisiert wo ich eigentlich bin. Angst zu sterben bekommen. Verkrampft abgeseilt.
Die Uhrzeit lässt vermuten: Ein volltrunkener Verfasser meldet sich zu Wort. Nachdem mir ein englischer Philosophie-Doktorand mein Wodkaglas umgekippt hat habe ich mit ihm - oder besser er mit mir - über den Leib-Begriff von Merleau-Ponty debattiert. Das Übermass an Trunkenheit konnte meinen Mangel an Sprachkompetenz und Fachkenntnis nicht wettmachen, so das ich ein Jahr Bedenkzeit erbeten musste. Zum Glück kamen Politaktivisten, Politopfer besser gesagt, zum Gespräch vorbei. Einer wurde mit seinen Genossen von der APPD von der Polizei wegen "Sieg Heil"-Rufen lange verhaftet (ein aufmerksamer Bürger hatte die Punks angeschwärzt). Und das obwohl sie mit tadellos antifaschistischer Gesinnung nicht "Sieg Heil" sondern -viel naheliegender- "Fick Heil" gröhlten. Ein Missverständnis sozusagen. Ein anderer Anarchist wurde von Antideutschen verprügelt, weil er einen Genossen mit "schwule jüdische Nazispeckmuschi" titulierte, was die wirren Brutalos als "Die Juden haben sich selber vergast" verstanden. Ein dufte Abend neigt sich also dem Ende zu. Gute Nacht.
So schnell kanns gehen. Kaum ist die Familie alleine ohne den Verfasser weg, ist sie auch schon wieder da. Das Baby hat eine doppelte Bindehautentzündung und wird mit Antibiotika zwangesbehandelt. Camping nix gut da.
Das kurze Leben als Kommunebauarbeiter ist also vorbei. Es war auch zu schön. Arbeitsanfang war stets pünktlich nach dem Frühstück, um 12:30. Also exakt eine halbe Stunde vor der offiziellen Mittagsruhe, zur Freude der Rentnernachbarn.
So wurde immerhin rund 6 Stunden Schlamm geschippt, Wände zerdeppert und fallenden Holzbalken ausgewichen. Natürlich habe ich drann gedacht, mindestens dreimal täglich volle Kanne mit dem Kopf gegen immer den gleichen niedrigen Fachwerkbalken zu knallen. Einmal sogar, ich hatte mich ausnahmsweise geduckt, bin ich am krumm geschlagenen Nagel hängen geblieben, der zwei Millimeter hervor ragte.
Wie auch immer: konnte zwei Abende und Nächte alleine mit Bier, Jägermeister und Wurst vor der Glotze "24-3.Season" rausschinden. Man kann also von einer leichten Erholung sprechen.
Momentan sind "Bautage" in der Commune. Containerweise Fachwerkbiomüll, sprich Lehm und Stroh zu entsorgen. Ein guter Grund in Urlaub zu fahren. Selbstverständlich alternativ. Mit KünstlerInnen, Hippies und Freaks gehts zum Zelten in die Pampa. 25 Erwachsene + ebensoviele Kinder (in Worten Fünfzig Leute). Dafür keine Hunde. Alles sagen "toll toll". Meine Vorfreude jedoch hält sich in Grenzen. Da alles selbstorgansiert ist, könnte selbst der Urlaub in Arbeit ausarten. Weiteres Problem: ein Wunsch 47 neue Leute kennen zu lernen scheint nicht vorhanden. Dummerweise habe ich vor Monaten mit einem nur so dahingesagten "Jaja" zugesagt und jetzt stecke ich in der ********.
Nachtrag: Nach harten, zähen Verhandlungen gelang es dem Verfasser dieser Zeilen zuhause zu bleiben. Statt Camping heute Bauarbeiten und hässliche Schimpfereien unter KommunardInnen (ich war ausnahmsweise still).